Deutsche Zentralbücherei für Blinde

DaCapo II - Anforderungsorientierte Notenübertragung für blinde Musiker

Abschlussbericht

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7
04105 Leipzig
Telefon +49 341 7113-0
Telefax +49 341 7113-125
E-Mail:
Internet: www.dzb.de

März 2010

Nachhaltigkeit und PR-Arbeit

Um die Fortführung der Dienstleistungen für blinde Musiker in Zukunft sicherzustellen, hat DaCapo große Anstrengungen unternommen. Im Vordergrund standen dabei die Zusammenarbeit mit den direkt betroffenen Abteilungen Verlag, Druckerei und Binderei. Zu den Maßnahmen gehören:

  • Standardisierung der verwendeten Formate
  • Vereinfachung des Preismodells
  • Automatisch generierte Bücherlisten und Kataloge
  • Übergabe der Abrechnungsaufgaben mit der VG Musikeditionen (gem. §45a UrhG)
  • Speziell für die jeweilige Nutzergruppe (Lehrer, Schüler, Blinde, Sehende)
    aufbereitete Informationsmaterialien

8.1 Materialien

8.1.1 Braille-Musiknotation - Einführung für Sehende (Broschüre)

Die DZB hat ein 16-seitiges Manual erstellt, das Sehenden die Regeln der Braillenotenschrift auf einfache Art erklärt. Angesprochen werden sollen damit vor allem sehende Lehrer an Integrationsschulen und private Instrumental- oder Gesangslehrer, die blinde Schüler unterrichten. Ziel ist es, die Hemmschwelle, die Noten zu lernen, zu senken. Seit 2007 wurden 650 Exemplare verteilt[25].

Das Manual wurde im Rahmen des »International Symposium on Braille Music Notes« (November 2008) in Englisch und Französisch übersetzt.

8.1.2 Braille-Musiknotation - Multimediale Einführung für Sehende (CD)

Im Rahmen der Diplomarbeit »Die Braille-Musiknotation als Medium des 21. Jahrhunderts« von Immanuel Heims wurde die Broschüre »Braille-Musiknotation - Einführung für Sehende« multimedial in einer PDF umgesetzt. Die Lektionen des Buches werden dabei ausführlich über Animationen und mit Begleitkommentaren erläutert und sind überdies um Hinweise erweitert, die das Lernen unterstützen.

8.1.3 DaCapo - Servicezentrum für Braille-Musiknoten (Broschüre)

Um den individuellen Service und die Angebote der DZB bekannter zu machen, wurde eine eigene Broschüre entwickelt. Neben einer allgemeinen Einführung bietet Sie im vorderen Teil eine Übersicht zu den Serviceangeboten (Notenkauf, Notenübertragung, Notenausleihe, Notenunterricht, MakeBraille, BrailleVis und Online-Server). Im mittleren Teil finden sich Erläuterungen für Sehende zu den Möglichkeiten der Filterung, Legende und Brailledarstellung in Schwarzschrift (Visualisierung). Im hinteren Teil stehen verschiedene, für den Unterricht geeignete Verkaufstitel aus dem Verlagsangebot der DZB.

8.1.4 Andere

Es wurden Flyer (in deutscher und englischer Sprache), Visitenkarten, Plakate, Postkarten und Lesezeichen erstellt, um DaCapo unter den Nutzern bekannter zu machen und neue Nutzer zu gewinnen.

8.2 Lehre

8.2.1 Musiklehrer - Netzwerk

Um den Bekanntheitsgrad des Braillenotenservice an der DZB Leipzig zu erhöhen, wird der Kontakt zu entsprechenden Zielgruppen gesucht. Eine Zielgruppe bilden die Lehrer des Fachs Musik an Förderschulen für Blinde und Sehbehinderte. Ein Netzwerk interessierter Musikpädagogen wird aufgebaut, so dass diese sowohl Kenntnis von den Möglichkeiten der Braillenotenproduktion sowie -ausleihe an der DZB Leipzig haben.

Dementsprechend können sie sowohl ihre Schüler informieren, als auch untereinander kommunizieren, z. B. zwecks pädagogischen Austauschs. Das Netzwerk umfasst Musiklehrer an Förderschulen bundesweit.

Im Rahmen des Projektes DaCapo wird ein Netzwerk von Musiklehrern eingerichtet, die blinde oder sehbehinderte Schüler deutschlandweit unterrichten.

Das Netzwerk ist sowohl für Schüler als auch für Lehrer gedacht, die Kontakt zu Gleichgesinnten oder entsprechende Unterrichtsmöglichkeiten suchen. Ziel ist es, eine barrierefreie Kommunikation unter den Interessenten zu ermöglichen.

8.2.2 Braillenotenunterricht

DaCapo bietet Interessierten an, in den Räumen der DZB Braillenotenschrift unter professioneller Anleitung zu erlernen. Während DaCapo II wurden zwei Schüler in der DZB in Braillenoten unterrichtet.

Zusätzlich findet eine DZB-interne Weiterbildung einer Blindenschriftmitarbeiterin statt, in der diese die Braillenotenschrift lernt. Durch das gewonnene Know-How in Notenschrift, verknüpft mit dem Wissen um Textaufbereitung, wird zukünftig die Erstellung von musikalischer Sach- und Fachliteratur einfacher und effizienter.

8.3 Konferenzen

  1. Im Januar 2007 fand die Notennetzwerk-Tagung[26] in Bensheim statt.
  2. DaCapo wurde auf der Pre-Conference der IFLA in Hamburg präsentiert. Die Präsentation des Projektes auf der TechShare 2007 in London rief ein großes, internationales Interesse hervor. Der große Mangel an Noten ist ein globales Problem für blinde Musiker. DaCapo kann hier zukünftig genutzt werden, um die gesellschaftliche Teilhabe blinder Musiker zu verbessern.
  3. Durch die Lehrerkonferenz in Friedberg 2007 konnten neue MakeBraille-Kunden gewonnen werden. Die Konferenz bietet die Möglichkeit, mit Lehrern, die Schüler integriert beschulen, in Kontakt zu kommen und diesen die Braillenoten vorzustellen. Ziel ist es, Lehrer zu ermutigen, die Blindennotenschrift zu lernen, um ihre Schüler adäquat unterrichten zu können.
  4. DaCapo hat im Januar 2008 an der Notennetzwerk-Tagung in Leipzig teilgenommen und diese auch organisiert. Die DZB hat auf der Tagung die Befürchtungen der blinden Musiker, ihre Versorgung mit dem für sie unverzichtbaren Arbeitsmaterial Braille-Musiknoten könne nach dem Abschluss von DaCapo gefährdet sein, zerstreut. Die langfristige Sicherstellung der Versorgung blinder Musiker mit Blindennoten ist Aufgabe der DZB.
  5. Im März 2008 hat DaCapo auf der internationalen Musikmesse in Frankfurt/Main Kontakt zu verschiedenen Musikinstitutionen und Akteuren des Musiklebens geknüpft. Dies war der Ausgangspunkt für die vertiefte Zusammenarbeit mit mehreren Schwarzdruckverlagen.
  6. Im Juli 2008 hat DaCapo seine pädagogischen Konzepte und Hilfsmittel in Zusammenarbeit mit der Integrationslehrerin Sabine Neubauer aus Heidelberg auf dem VBS-Kongress in Hannover präsentiert. Daran nahmen viele Lehrer aus Deutschland und der Schweiz teil. Die Zusammenarbeit mit Schulen und Medienzentren hat zugenommen.
  7. Im November 2008 hat die DZB zum »International Symposium on Braille Music Notes« eingeladen. Insgesamt nahmen über 60 Personen aus 16 Ländern teil. Die Arbeiten von DaCapo wurden mit hohem Interesse aufgenommen. Die DZB sieht Kooperationen mit ausländischen Einrichtungen als große Chance, das Angebot an Braillenoten insgesamt zu erhöhen und damit sowohl die blinden Musiker als auch die Notenschrift selbst zu stärken. Über die Tagung wurde im Leipzig Fernsehen berichtet. Dr. Kahlisch, Direktor der DZB, unterstrich im Interview mit den Moderatoren die Bedeutung der Musik für die blinden Menschen. Im Laufe der Tagung wurden Kontakte zu internationalen Institutionen geknüpft, die langfristig ausgebaut werden sollen. Ziel ist dabei, die Braille-Musiknotation international zu stärken, die Arbeit anderer Institutionen durch die Bereitstellung technischer Lösungen zu unterstützen und damit die Aktualisierung und Erweiterung der Notenbestände voranzutreiben, von der deutsche Berufsmusiker direkt profitieren werden. Die Konferenz wurde mitgeschnitten und steht als DAISY-Buch zur Verfügung. Die Fachartikel stehen ebenfalls in schriftlicher Form im Internet der DZB zum download bereit. Die Teilnahme von DaCapo an der Notennetzwerk-Tagung 2008 in Augsburg diente unter anderem der Vorstellung des neuen Preismodells, das sowohl einfache Kostenvoranschläge erlaubt, als auch eine weitere Standardisierung der Produkte vorsieht.
  8. Im April 2009 wurde DaCapo in Form eines mehrtägigen Kurses in Wien an der Blindenstudienanstalt präsentiert. Die Notenschrift ist dort nicht allen Lehrern bekannt. Hauptziel ist es gewesen, für die Schrift zu sensibilisieren, um für die Zukunft einen besseren Unterricht zu ermöglichen.
  9. Im Mai 2009 wurde DaCapo an der Berufsfachschule für Musik für Sehgeschädigte in Prag präsentiert. Die Einrichtung konzentriert sich auf die Ausbildung von blinden Lehrern für den Regelunterricht mit Sehenden. Dazu werden einige abgewandelte Notationsweisen verwendet, die auch für DaCapo sehr interessant sind und eine wichtige Bereicherung darstellen würden. Die Musikerausbildung in Prag profitiert direkt davon, dass kein Studium generale, sondern eine Art Fachstudium für die Ausbildung zum Lehrer vorgeschrieben ist. Dadurch können in Tschechien im Vergleich zu Deutschland sehr viel mehr Blinde einen Beruf als Lehrer ergreifen.

8.4 Veröffentlichungen

Folgende Artikel wurden im Laufe des Projekts verfasst, um die Dienstleistungen für blinde Musiker bekannt zu machen:

  • Leipziger Notenbogen Station 4: Deutsche Zentralbücherei für Blinde. In: Leipziger Notenspur (p. 57). Altenburg: Klaus-Jürgen Kamprad. 2009.
  • Noten für Blinde - Das Projekt DaCapo der Deutschen Zentralbücherei für Blinde. Musik und Kirche. Die Zeitschrift für Kirchenmusik, Mai/Juni 2009 # 3, S. 202-203.
  • DaCapo - Braille Music Notes. European Music Council Journal #4 Winter 2008-2009, S. 28.
  • Eine klingende und fühlbare Kooperation. Uni Journal Leipzig 02/2009, S. 8.
  • Nicht nur der Ton macht die Musik. Leipziger Blätter Nr. 54 2009, S. 82-83.
  • Internationale Konferenz zum Thema: Braille Noten. blind - sehbehindert 1/2009, S. 97-98.
  • Internationale Konferenz zum Thema Braillenoten erfolgreich beendet. Zeitschrift der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig, Nr. 26 Wintersemester 2008/09, S. 55.
  • Internationale Konferenz zum Thema Braillenoten in Leipzig. Musik in Sachsen 04/2008, S. 6.
  • Symposium zu Braillenoten. Schweizer Musikzeitung, 10/2008, S. 38.
  • Das Projekt DaCapo - Internationale Konferenz zum Thema Braille- Noten. Zeitschrift der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig, Nr. 25, Sommersemester 2008, S. 52.
  • Präsentiert: das Projekt »DaCapo«. Musikforum 07-10 2008_3, S. 63.
  • DaCapo Braille Musiknoten. Sonic Wood & Brass, Mai/Juni 2008, S. 10.
  • DaCapo Internationale Konferenz. Das Orchester 06/2008, S. 8.
  • Internationale Konferenz Braillenoten. Üben und Musizieren Nr. 3, 06/07 2008, S. 4.
  • Musik aus sechs Punkten. Gewandhausmagazin Nr. 59, Sommer 2008, S. 40-43.
  • Noten für blinde Musiker - DaCapo ein weltweit einzigartiges Projekt. Markneukirchner Zeitung, 16. Mai 2008, S. 8.
  • Noten für Blinde - europaweit einzigartig. Liberal-Vierteljahresheft für Politik und Kultur, 2/2008, S. 73-74.
  • Braille-Musiknoten aus Leipzig. Musik in Sachsen 02/2008, S. 4.
  • Das Projekt DaCapo an der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig - Musik mit allen Sinnen erleben. Zeitschrift der Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn Bartholdy« Leipzig, Nr. 24, Wintersemester 2007/08, S. 45-46.
  • Braille-Musiknoten aus Leipzig. Gottesdienst und Kirchenmusik, Zeitschrift für Gottesdienst und Kirchenmusik und Mitteilungsblatt der drei kirchenmusikalischen Verbände in Bayern, Ausgabe Januar/Februar 2008, S. 20.
  • Wie aus Punkten Musik wird - In Leipzig werden Musiknoten in Braille-Schrift übertragen. EZ - Evangelische Zeitung. Christliche Wochenzeitung für Niedersachsen. Ausgabe Landeskirche Hannover Nr. 51/52 vom 23. Dezember 2007, S. 5.
  • Noten für blinde Musiker - In Leipzig werden Musiknoten in Braille-Schrift übertragen. Der Sonntag - Wochenzeitung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens Nr. 50 vom 16. Dezember 2007, S. 13 (ebenfalls erschienen in: Glaube + Heimat, Evangelische Wochenzeitung für Thüringen vom 16. Dezember 2007, S. 13 und in: Die Kirche - Wochenzeitung für Anhalt und die Kirchenprovinz Sachsen vom 16. Dezember 2007, S. 13).
  • Der neue Notendienst DaCapo - Softwarebasierter Produktionsprozess zur Herstellung von Braillenoten bei der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB). Das Orchester 04/2007, S. 43.

8.5 Projekte-Kooperation: Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig und DZB Leipzig

Das internationale Symposium für Braille-Musiknotation im November 2008 war ein weiterer Schritt in der Zusammenarbeit zwischen dem Museum für Musikinstrumente der Universität Leipzig und der DZB. Begonnen hat sie mit der gemeinsamen Herstellung des Wandkalenders 2008 »Historische Musikinstrumente« und soll in den kommenden Jahren intensiviert werden. Um die Musikinstrumenten-Ausstellung zum Teil zu erschließen, ist ein Museumsführer für Blinde geplant, in dem zunächst auf ausgewählte Schätze hingewiesen wird, die über die Klanginstallationen bzw. an den Audiostationen auch zu hören sind. In ähnlicher Weise soll ein Museumsführer für Sehbehinderte in Großschrift entstehen. Langfristig ist die Herstellung eines Hörbuchs in deutscher und englischer Sprache zum Thema Musikinstrumente vorgesehen.

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