Deutsche Zentralbücherei für Blinde

DaCapo II - Anforderungsorientierte Notenübertragung für blinde Musiker

Abschlussbericht

Deutsche Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig (DZB)
Gustav-Adolf-Straße 7
04105 Leipzig
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März 2010

Anforderungsorientierte Erstellung von Braillenoten

3.1 Voraussetzungen

Lehrer brauchen andere Noten als ihre Schüler, Chorleiter andere als Sänger usw. Die Gründe liegen in Umfang und Komplexität der Braillenotenschrift.

So benötigt ein blinder Lehrer für den Unterricht beispielsweise Noten, aus denen genau hervorgeht, welche Schlüssel stehen, wo Oktavierungen sind, wie Bogen verlaufen (über oder unter den Noten) usw., um dem sehenden Schüler klare Anweisungen geben zu können. Ein blinder Sänger hingegen braucht solche Informationen nicht. Je weniger (für ihn) Überflüssiges auf dem Blatt steht, desto leichter fällt es, vom Blatt zu singen - Grundvoraussetzung für ein Auskommen als professioneller Sänger.

Gleichzeitig soll möglichst effizient einer breiten Anwenderschaft eine Standardversion zur Verfügung gestellt werden, die in den meisten Fällen den Anforderungen gerecht wird.

Die Software wurde um Filtermöglichkeiten erweitert. Für den pädagogischen Bereich wurden Möglichkeiten geschaffen, bestimmte Zeichen aus den Noten zu entfernen, damit sich der Lernende zunächst auf die Noten konzentrieren kann. Des Weiteren wurde das Konzept einer automatischen, mehrstufigen Legende entwickelt: Seltenere Zeichen werden kurz erklärt, um dem Notenleser den Zugang zu den Noten zu erleichtern. Nach Rückkopplung mit Lehrern wurden die Konzepte erweitert und somit für den Gebrauch im Unterricht verfeinert.

Für die Produktion von Stimmenauszügen usw. wurden Profile entwickelt, die ohne allgemeine Beschränkung schnell und effizient Ergebnisse liefern. So lassen sich zum Beispiel durch einfaches Umschalten des Profils in der Konfiguration aus derselben Quelle Stimmenauszüge genauso wie Partituren erstellen.

3.2 Ergebnisse

Die Formate der regulären Notenproduktion wurden standardisiert und Konfigurationsmöglichkeiten der Software darauf ausgerichtet. Ziel ist eine möglichst effiziente Produktion der Noten unter Rücksichtnahme darauf, dass die Titel neben dem Initiator der Übertragung gleichzeitig einer möglichst breiten Anwenderschaft zur Verfügung gestellt werden können.

Durch die Implementierung einer Zwischenausgabe der Braillenoten an das Textsatzsystem HBS (erst nach Ablauf des Projektes fertig gestellt) wird die gleichzeitige, professionelle Produktion der Editionsformen unterstützt.

Gleichzeitig erlaubt der Service MakeBraille eine individuelle Produktion von Braillenoten, bei der die Noten auf die jeweiligen Bedürfnisse spezifisch zugeschnitten werden können. Durch den Verzicht auf Korrekturlesen, Druck und Bindung ist diese individuelle Dienstleistung sehr schnell und erfreut sich aufgrund ihrer Effektivität starker Nachfrage.

Die Zusammenarbeit mit Lehrern hat gezeigt, dass sich die Konzepte der automatischen Legende und der Filtermöglichkeiten für den Notenunterricht bewährt haben.

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